Muster und Gewohnheiten - die neurowissenschaftliche Sicht

Das Gehirn als selbst organisierender Erfahrungsspeicher - die neurowissenschaftliche Sicht.

Aus neurowissenschaftlicher Sicht, organisiert sich das Gehirn über stammesgeschichtliche Entwicklung in Form von genetischer Programme, die bereits vorhanden sind und aus eigenen Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens über die Umwelt erfahren und durch persönliche Bewertungen aufnehmen und abspeichern.

Um möglichst viel psychobiologisches Wohlbefinden erleben zu können, muss das Gehirn dafür sorgen, dass die Dinge die dem Individuum widerfahren, so bewertet werden, sodass sie dem Individuum zuträglich oder abträglich sind. Das Resultat dieser Bewertung wird im Gedächtnis festgehalten und für das weitere Verhalten benutzt.

Wichtig ist, dass die Handlungen im Einklang mit dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis steht und unsere Handlungsentscheidung unserer bewussten und unbewussten Lebenserfahrung gerechtfertigt erscheint. Übereinstimmung unbewusster Motive und bewusster Ziele = psychobiologisches Wohlbefinden. Können wir dies auf Dauer nicht, werden wir psychisch krank.

Ist das psychobiologische Wohlbefinden nicht in Balance, dann hat die Person ein ungeeignetes Wissen darüber (bewusst und unbewusst), wie man diesen erwünschten Zustand herstellen kann. Dies resultiert aus Gedanken, Emotionen, Handlungen, Gewohnheiten, Muster und Entscheidungen im Alltag, die seinem psychobiologischen Wohlbefinden abträglich sind.

Bodyreflections vertritt die Position des Zürcher Ressourcen Modells, und geht von einem "maladaptiven" Wissen aus, sodass es weder gesund noch krank gibt. "Maladaptives" Wissen ist gesammeltes Wissen, das ein Individuum über den Umgang mit bestimmten Situationen gesammelt hat, das nicht für die Sicherung des psychobiologischen Wohlbefinden des Individuums nützlich ist. 

Bodyreflections spricht von "effizienten" und "ineffizienten" Wissen im übertragenen Sinne von Gewohnheiten und Mustern, anstatt wie im Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) von maladaptiven und wohladaptiven Wissen. Bodyreflections effizientes und ineffizientes Wissen soll sowohl auf geistiger aber auch körperlicher Ebene verstanden werden, die nach der Bodyreflections Methode auf Basis der wissenschaftlichen Theorie von Embodiment immer in Wechselwirkung stehen.

Wie können nun "ineffiziente" Muster und Gewohnheiten in "effiziente" verwandelt werden, um das psychobiologische Wohlbefinden zu erlangen und in Leichtigkeit aufrechtzuerhalten?

Hier wird ein Lernvorgang benötigt, der Zeit, Geduld und Ausdauer erfordert. Was jedoch in der Psychologie besonders interessantist, ist nicht nur etwas Neues zu lernen, sondern etwas Altes muss davor verlernt werden. Um alte automatisch ablaufende Gewohnheiten und Muster zu verändern, muss als allererster Schritt die Einsicht derer im Vordergrund stehen. Erst die bewusste Annahme der unbewussten Inhalte, kann Veränderung bewirken. Somit arbeitet die Psychologie daran, den unwillkommenen "ineffizienten" Automatismus durch einen neuen, im Sinne des psychobiologischen Wohlbefindens nützlicheren Automatismus zu ersetzen.

Solange solche neu entstandenen Muster nicht eingespielt sind, erfordern sie bewusste Verarbeitungskapazität. Durch häufige Wiederholungen werden die neu entstandenen Verbindungen im Gehirn immer besser gebahnt. Sie sind immer leichter zu aktivieren und gewinnen so immer leichter Einfluss auf die psychische Aktivität, ohne dass dies mit Bewusstsein verbunden ist.

Die neuen "effizienteren" Inhalte können eingesetzt werden und werden nach einem Lernprozess genauso wieder automatisiert. Je öfter die neuen Gewohnheiten und Muster angewandt werden, je selbstverständlicher fließen sie in den Alltag ein und werden in der Gedächtnisspur im Gehirn verankert.

Bodyreflections ist kein Körpertraining in eigentlichem Sinne, sondern bewirkt Veränderungen sowohl auf der psychischen, emotionalen und physischen Ebene. Die enge Verbindung von Gefühlen, Körperempfindungen und Reaktionsselektion wurde durch viele Forschungen in der wissenschaftlichen Psychologie bestätigt. Weiteres konnte auch gezeigt werden, dass Gefühle und die entsprechenden körperlichen Begleiterscheinungen ein integraler Bestandteil von Entscheidungsprozessen und damit unentbehrlich für rationales Verhalten sind.

Photo by lixuyao/iStock / Getty Images
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Mag. Ursula Theresia Fuhrmann

Sozial- und Wirtschaftspsychologin

1130 Wien