Psychologie für den Alltag - Doppelbindungstheorie (G. Bateson)

Wie oft passiert es, dass Menschen Dinge aussprechen, die sie tief im Inneren gar nicht so empfinden. Dies äußert sich so,  dass Gefühle und die damit einhergehenden Handlungen, Mimiken und verbalen Äußerungen nicht übereinstimmen. Dies hat jedoch für das Gegenüber - Folgen, die zu falschen Realitäten und Annahmen führen können. Oft gibt es Verwirrung und Unsicherheit, da äußere Handlungen nicht mit der unbewussten nonverbalen Wahrnehmung des Gegenübers linear sind. Das Gegenüber nimmt unbewusst etwas wahr, was durch äußere Zeichen nicht erklärbar ist.

Dies erklärt die Double Bind Theorie von Bateson sehr gut.

Die Theorie setzt grundsätzlich ein Abhängigkeitsverhältnis voraus wie sie z.B. in „Eltern-Kind“ – oder symbiotischen Beziehungen vorzufinden sind. Es handelt sich um einen paradoxen Kommunikationsstil. Es werden in einer Interaktion zwei widersprüchliche Botschaften übermittelt. Signale können sowohl Gestik, Mimik als auch der Inhalt der gesprochenen Worte sein. Beim Empfänger entsteht Verwirrung und Unsicherheit, weil er nicht weiß welcher Botschaft er nun vertrauen soll.

Als einfaches Beispiel kann die Frage „Wie geht es Dir?“ genommen werden. Der Gefragte antwortet mit leidender, zittriger Stimme und mit verkrampfter Körperhaltung und sagt jedoch  „Danke, sehr gut!“. Legt man mehr Augenmerk auf den ausgesprochenen Satz und ignoriert die Geste, so könnte der Andere das übel nehmen. Reagiert man jedoch auf die nonverbale Körperhaltung und Tonalität, so könnte der andere ebenfalls empfindlich reagieren, so dass man seinen Worten keinen Glauben schenken würde. Es ist sehr, sehr schwierig auf Double-Bind Botschaften richtig zu reagieren.

Diese Art paradoxer Kommunikation wird oft von Menschen eingesetzt, um der Zerrissenheit die in ihnen herrscht zu entgehen. Diese Zerrissenheit entsteht wenn Logik und Gefühle nicht in Einklang zu bringen sind. Der Betroffene ist aufgrund dieser unterschiedlichen Wahrnehmungen zu keiner Entscheidung fähig und gibt durch widersprüchliche Botschaften dieses für ihn unlösbare Problem weiter. In Eltern-Kind-Beziehungen kann es für das Kind im weiteren Leben zu Nähe-Distanz-Problemen kommen, die sich in dieser paradoxen Aussage zum Beispiel wiederfinden kann: Der Betroffene sucht die Nähe des Partners, sucht Zärtlichkeit aber sagt: „Ich hasse Dich, ich will nichts von Dir!“

(frei interpretiert nach Bateson, Begründer der Double-Bind Theorie)