Psychologie für den Alltag - Passive Aggression

Aggression - aktuelles Thema in den Medien

Da in den Medien aggressive Handlungen gerade sehr aktuell sind, stellt es sich die Frage, wie kann ich selbst präventiv vorbeugen bzw. erkennen oder erahnen, wenn ich selbst oder in Beziehungen davon betroffen bin? Gibt es eine Vermutung in die Richtung, ist es aus meiner Sicht ratsam auf jeden Fall rechtzeitig professionelle Unterstützung durch Psychologen oder Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen.

Passive Aggression - eine Persönlichkeitsstörung

Heute möchte ich die passive Aggression vorstellen, die öfter vorkommt als man denkt. Meist sind es Menschen, die immer freundlich und nett sind, sie jedoch in unbewusster Art und Weise ihre Aggressionen kanalisieren, um sie nicht offen kommunizieren und zeigen zu müssen.

Passive Aggression - ein unbewusstes Verhaltensmuster

Die passive Aggression ist ein Verhaltensmuster, welches meist verdeckt in Beziehungen zu finden ist.  Ein passiv-aggressiver Mensch ist nach außen hin ein sehr liebevoller, sich kümmernder Mensch. Es ist ihm wichtig als freundlich, sympathisch und nett von anderen Menschen wahrgenommen zu werden. Er wirkt meist sehr bemüht und wird von Außenstehenden oft als ein sehr beliebter und zugewandter Partner erlebt.

Passiv-aggressive Menschen in Beziehung

In Beziehung jedoch fühlen sich diese Personen bald überfordert oder missverstanden. Sie verhalten sich in späterer Folge trotzköpfig, das an pubertierende Jugendliche erinnert. Es häufen sich Reaktionen, die nicht aggressiv wirken, jedoch versteckt zutage kommen. Meist kleine Dinge, die den Partner jedoch mit der Zeit mürbe machen. Z. b. kann es sein, dass der passiv-aggressive Beziehungspartner verspätet nach Hause kommt und völlig überrascht ist, dass der Partner sauer ist. Dazu findet er hundert Ausreden, dass er vorher den abendlichen Termin erwähnt hätte, während der verärgerte Partner nichts davon gewusst hat. Auch kann es immer wieder vorkommen, dass er Wissen nicht weitergibt und seinen Partner so quasi “auflaufen” lässt uvm.

Nicht offen legen der eigenen Aggressionen - eben verdeckt

Um seine Aggressionen nicht offenzulegen, wird er zu einem mobbenden Partner. Wobei der Unterschied darin liegt, dass die passiv-aggressive Person den Prozess nicht “absichtlich” injiziert, im Gegensatz zur mobbenden Person, sondern seiner passiven-aggressiven Persönlichkeitsstörung unterliegt. Im Untergrund der Persönlichkeit jedoch brodelt es. Die nicht endgültig zu unterdrückenden “negativen “ Gefühlen, die genauso wie positive Gefühle, zu jedem Menschen gehören, müssen sich neue Bahnen suchen. Oft hört man bei der Befragung von Nachbarn und Freunden von Amokläufern, dass sie ihn als freundlichen, ruhigen und netten Menschen wahrgenommen haben.

Wer ist meist davon betroffen?

Meist sind Personen davon betroffen, die ihre Aggression in ihrer Vergangenheit stets unterdrücken mussten und ihre Wutgefühle nie offen leben durften. Dadurch konnten sie nicht lernen, auch mit ihren negativen Gefühlen adäquat umzugehen. Daher haben sie im Erwachsenenalter ihre Wut- und Aggressionsgefühle nicht im Griff, und werden für gewöhnlich als freundliche Menschen erlebt. In Beziehung zeigt sich das Verhalten des passiv-aggressiven Partners seinem Partner gegenüber bockig und pubertär und es gibt keine Möglichkeit sich auf der erwachsenen Ebene auszutauschen.

Einschätzung der passiv-aggressiven Verhaltensweisen

Hier ist eine kurze allgemeine Beschreibung der Persönlichkeitsstörung wiedergegeben. Die Einschätzung wie hoch die Tendenz dazu ist, ist für einen Laien schwierig und auch gefährlich falsche Diagnosen zu stellen. Wir alle handeln manchmal passiv-aggressiv, weil wir in dem Moment einem Streit aus dem Weg gehen möchten. Ein Mensch, der sich nur ab und zu dieses Verhaltens bedient, wird zugeben können, dass er eigentlich aus Wut gehandelt hat. Eine passiv-aggressive Person hingegen, spürt seine Wut nicht bewusst. Er glaubt tatsächlich, überhaupt nicht aggressiv zu sein. Im Gegenteil, er ist davon überzeugt, keine derart negativen Gefühle zu haben. Dabei ist es tatsächlich so, dass er sich leicht von anderen verletzt fühlt, und überzeugt ist, dass diese bewusst etwas gegen ihn gemacht haben.

Prävention für jeden Einzelnen

In Bezug auf die aktuellen Themen in den Medien, empfehle ich, achtsam in seiner eigenen Umgebung zu sein und sich Unterstützung und Rat bei Psychologen oder Psychotherapeuten zu holen, um im gegebenen Fall die Situation richtig einschätzen zu können bzw. um zu sehen wie am Besten mit der aktuellen Situation umgegangen werden kann. Im Falle kann eine Partnerschaft, oder auch jede andere Bindung, die unter der passiven Aggression einer Person leidet, dauerhaft belastet werden. Auch für den Partner ohne Persönlichkeitsstörung ist es schwierig hier richtig zu reagieren und cool zu bleiben, da man normalerweise auf Freundlichkeit hin nicht böse sein kann und die subtilen Bösartigkeiten nicht offensichtlich sind. Daher ist es für den Partner auch sehr verwirrend, sodass es dann bald sein kann, dass dieser an seinen Werten zu zweifeln beginnt. Somit ist eine Partnerschaft sehr ausweglos. Wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird, bleiben mindestens zwei verstörte Personen zurück.

Mag. Ursula Fuhrmann, Dipl. Psychologin

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