Arbeit und die Auswirkung auf den Selbstwert

Wenn Menschen an Ihre Arbeit denken - denken sie oft an Anstrengung, Schwere und ein notwendiges Übel. In seltensten Fällen freuen sich arbeitende Menschen auf den nach dem Wochenende folgenden Arbeitsmontag. Warum ist das so und muss es so sein?

Arbeit und menschliches Selbst

Joachim Bauer beschreibt die Arbeit, als verbunden mit dem menschlichen Selbst. Die Arbeit bietet dem Menschen die Möglichkeit des Selbst- Wachstums und der Selbst-Erweiterung. Da Menschen, das was er in der Arbeit vollbringt, als Teil seines Selbst erlebt, erwartet er sich dafür Anerkennung und Wertschätzung. Die Anerkennung für das geleistete Werk überträgt sich automatisch auf den Schöpfer und löst biologische Prozesse aus. Wobei das Gehalt ein kleiner Teil der sozialen Wertschätzung übernimmt, bei weitem aber nicht ausreicht, um ausreichend zufriedenstellendes Arbeitsklima herzustellen

Soziale Erfahrungen - biologische Antwortreaktionen

Soziale Wertschätzung wird vom Gehirn in eine Aktivierung der Motivations- und Belohnungssysteme verwandelt. So werden soziale Erfahrungen in biologische Antwortreaktionen verwandelt. Aktivierte Motivations- und Belohnungssysteme produzieren Botenstoffe, ohne die es zu einem baldigen physischen und psychischen Zusammenbruch der Arbeitskraft kommen würde. So schließt sich der Funktionskreis Selbst, Arbeit, soziale Resonanz und der biologischen Situation im Körper.

Als sinnlos wahrgenommene Arbeit

Wenn Menschen ihre Arbeit als sinnlos und nicht wertgeschätzt wahrnehmen, entsteht meist eine Entfremdung der Person. Genauso verhält es sich nicht nur sinnlose Arbeit tun zu müssen, sondern auch keine Arbeit zu haben, kann Entfremdung bedeuten. Arbeit ist eine unersetzliche Selbstwert-Ressource des Menschen. Auch dann wenn sie sehr anspruchsvoll erlebt wird, lässt sie uns Nützlichkeit, Sinn und Zugehörigkeit erleben. Sie rhythmisiert unser Leben und vitalisiert unser Selbst.

Zugewinn versus Falle des Selbstwertgewinns?

Einerseits kann durch Arbeit ein wertvoller Zugewinn des Selbstwerts gewonnen werden, jedoch kann dies auch eine Falle sein. Dies betrifft vor allem Menschen, die sich in einem Mangel an Selbst befinden, die mit sich nichts anfangen können (vor allem dann, wenn nichts zu tun ist), entdecken die Arbeit als Selbst -Ersatz und sind in Gefahr, sich darin zu verlieren! Dieser Falle können Arbeitssüchtige nur schwer entkommen. Denn einfach etwas weniger zu tun, würde sie zwingen, ihrem leeren, unerträglichen Selbst zu begegnen.

Gefahr einen Erschöpfungszustand zu erleiden

Das Hamsterrad von Arbeitssüchtigen, die ihr Ersatz-Selbst aufrecht erhalten müssen, dreht sich sehr schnell und ohne Unterbrechung. Meistens bleiben sie auch sehr lange gesund, wenn sie für ihre Selbstausbeutung am Arbeitsplatz regelmäßig und in einem hohen Maße Anerkennung erhalten. Sie brechen erst zusammen, wenn sie eine “Gratifikationskrise” erleiden. D.h., wenn sie die ihnen bis jetzt zuteilgewordene Wertschätzung nicht mehr bekommen. Dann kommt es in erstaunlich kurzer Zeit zu einem gesundheitlichen Einbruch.

Drei Merkmale eines Burn-out-Syndroms

Die drei Merkmale sind: chronischer emotionaler Erschöpfungszustand, der sich auch durch einige Tage Erholung nicht bessert; zweitens ein durch die Betroffenen nicht überwindbarer Widerwillen gegen die Arbeit oder gegen die Menschen, für die man beruflich tätig ist; und drittens verminderter Arbeitseffizienz trotz vermehrtem Arbeitseinsatz.

Die wichtigsten Merkmale einer Depression

Die wichtigsten Merkmale einer Depression sind Verlust des Selbstwertgefühls, Antriebsverlust (Energiemangel), Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Schlafstörungen mit morgendlichen Früherwachen (meistens zwischen drei und vier Uhr) und Lebensüberdruss. Burn-Out und Depression sollten unterschieden werden, können jedoch ineinander übergehen.

Körper & Psyche

Da der Bewegungsapparat und auch unsere Psyche mittlerweile die höchsten Anteile der Krankenstände haben, ist es ratsam sich um beides gleichermaßen und am Besten gleich um die Verbindung beider zu kümmern.  Denn Burn-Out oder eine daraus entstandene Depression braucht eine fachkundige Begleitung, um herauszufinden welche Selbstanteile dazu geführt haben könnten.

Prävention durch Psychohygiene

Dass es jedoch gar nicht soweit kommt, ist es empfehlenswert regelmäßig Psychohygiene zu betreiben. Diese kann grundsätzlich durch Selbstreflexion stattfinden. Jedoch ist es auch unerlässlich mit kompetenten fachkundigen Personen in Kontakt zu treten und mit dem Gegenüber zu reflektieren. Dies eröffnet mehr Objektivität und neue Einsichten, die alleine nur sehr schwer erfolgen können.

Wertschätzung gegenüber der Mitarbeiter

Die zufriedensten Mitarbeiter in Unternehmen habe ich in den Unternehmen erlebt, die regelmäßig persönlichen Kontakt mit der Führungsebene haben. Die über den Status quo des Unternehmens regelmäßig informiert werden und die von Angeboten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements profitieren können. Dies zeigt von Wertschätzung und Achtsamkeit den Mitarbeitern gegenüber und auch einer Ebenbürtigkeit, dass jedes Mitglied dieses Unternehmens ein wertvolles ist, egal welche Tätigkeit es im Unternehmen ausführt. Erst die diversitäre Zusammensetzung und der Einsatz aller, bringt den Erfolg!

Stärkung des Schatzes der Arbeitskräfte

Wodurch kann das Unternehmen nun den wertvollen Schatz ihrer Arbeitskräfte, deren Motivation, deren Wissen und Erfahrung am besten stärken? Wenn die Führungsebene mit den Mitarbeitern regelmäßig in Beziehung tritt und sie Resonanz spüren lässt, unabhängig davon, ob diese anerkennend oder auch einmal kritisch ausfällt. Auch Kritik kann, wenn sie sachlich und respektvoll ausgedrückt wird, Wertschätzung ausdrücken.

Foto: @kazuend

Foto: @kazuend