Lebendig oder bequem?

Warum bleiben Menschen in Beziehungen, die nicht mehr lebendig sind? Warum bleiben Menschen in einem Job, der ihnen nicht gefällt oder guttut? Warum hat man ständig die Gier nach Neuem, wenn es aber um Veränderung geht, scheuen viele diese wirklich durchzuziehen. Ich höre immer wieder, dass es so anstrengend sei.

Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen

Wir Menschen haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis. In der Maslowschen Pyramide befindet sich die Sicherheitsstufe an 2. Stelle. Wir können uns Sicherheit kreiren, um das Gefühl zu haben sicher zu sein. Ist es aber wirklich sicher? Ängste sind oft dafür verantwortlich, die uns in alten eingefahrenen Mustern, Denkweisen und auch Lebensformen verharren lassen, die eigentlich nicht mehr passen. Anstatt sich mit den Ängsten oder auch den Herausforderungen zu stellen, häufen wir Geld, Besitztümer, Beziehungen, Wissen und noch mehr vermeintliche Dinge an, die uns glauben lassen, dass wir sicher seien.

Sich den Herausforderungen stellen

Um nicht in eine Sensation Seeking der BIG5 zu fallen, weil der Alltagstrott mich zu tode langweilt, ist die Lösung sich mit allen Facetten auf das Leben selbst voll und ganz einzulassen. “Das Leben ist die beste Therapie”, wenn man sich darauf einlässt. Begegnungen, Herausforderungen, jede Situation, jede Schwierigkeit ist ein Wink des persönlichen Lebens, sich mit Themen auseinanderzusetzen, um immer mehr zu seiner persönlichen Essenz, zu seinen Potentialen und zu seinem Leben zu kommen. Mit alledem was dazugehört.

Abwehrmechanismen und Kompensationen

Wir neigen oft dazu unangenehme Dinge schnell weghaben zu wollen und zu kompensieren nur um sich nicht mit den eigenen Lernthemen auseinandersetzen zu müssen. Anstatt auch emotionale Herausforderungen oder Auseinandersetzungen als positives Aufrütteln zu verstehen und zu nützen zu reflektieren und eine neue Sichtweise zu finden. Das Unangenehme mit angenehmen Dingen zu kompensieren, kann auf Dauer auch anstrengend sein und ein Defizit in einem Lebensbereich zur Folge haben.

Alles hat Sinn und nichts was uns begegnet ist sinnlos

Nach Viktor Frankl kann in jeder Begegnung, in jeder Situation, in jedem Ereignis, der Klient einen Sinn für sich finden. Nichts ist sinnlos was in unser Leben eindringt bzw. an uns herankommt. Dies zu nützen, um sich damit wieder auseinanderzusetzen oder manchmal auch die Herausforderung einen Sinn darin zu sehen, ist eine Chance wieder den nächsten Schritt in seiner Persönlichkeitsentwicklung zu gehen.

Zuviel Bequemlichkeit macht träge

Nehmen wir das Beispiel vom Stuhl. Habe ich einen Stuhl, der Rückenlehne, Armlehnen und eine Kopfstütze hat, dann vertraue ich dem Stuhl mein ganzes Gewicht an und mein Körper wird automatisch inaktiv und wird vom Stuhl getragen. Das Problem ist, dass der Körper mit der Zeit schlapp und faul wird und in eine unnatürliche Schlappheit verfällt. Richte ich meinen Körper auf und sitze frei ohne jegliche Anlehung, dann ist der Körper aktiv: Rückenstrecker und Bauchmuskeln müssen sich anspannen, sodass der Körper sich selbst trägt.

Genauso ist es im Alltag. Gewisse Bequemlichkeit ist schön und gut, aber zu viel lässt uns faul und träge werden. Und nicht nur körperlich sondern auch psychisch, geistig und seelisch. Wir stumpfen in gewissen Dingen mit der Zeit ab und lassen die Chance Herausforderungen anzunehmen und daraus zu wachsen, links liegen.

Übung: Beobachten Sie sich in welchen Situationen ihre persönliche Bequemlichkeit überwiegt!

Anstatt die Situation zu ergreifen und sich damit zu konfrontieren, um zu sehen, welcher persönliche Sinn dahinterstecken könnte.

Vor allem was Sie daraus lernen könnten, um in ein noch erfüllteres Leben zu kommen und zwar in allen Lebensbereichen!

Mag. Ursula Fuhrmann, Beratung & Coaching, Dipl. Psychologin, LSB i.A. unter Supervision, 1130 Wien

Foto: Peter Conian

Foto: Peter Conian