Wahrheit oder Lüge - eine Entscheidung

Da ich in meinem Leben immer wieder mit Lügen oder Schwindeleien konfrontiert wurde, habe ich mich mit dem Phänomen “Lügen” gewidmet.

Schon als Kind hatte ich manchmal das Gefühl, dass das was ich wahrnehme, mit dem was ich sehe, nicht übereinstimmt. Heute weiß ich, dass mich meine Eltern, mich als jüngste Tochter, vor einigen Dingen einfach schützen wollten und mir deswegen einige Informationen vorenthalten oder auch manchmal geschwindelt haben. Trotzdem fühlte es sich eigenartig an, da man dann nicht lernt, seinen Gefühlen zu vertrauen.

Auch im Erwachsenenalter wusste ich ganz genau, wenn jemand Unwahrheiten erzählt bzw. wenn er/sie es gar nicht erzählen möchte, aber so tut wie wenn alles gesagt wäre. In Situationen die wichtig für mich sind, ist es sehr wohl interessant, auf das, was ich intuitiv wahrnehme zu achten und mein Gefühl dazu zu respektieren, es dann anzusprechen.

Mittlerweile vertraue ich auf meinen Beobachtungen und meiner Intuition…und manchmal nach einiger Zeit zeigen sich die Dinge auch in dieser Weise wie von selbst, ohne der Wahrheit hinterherzujagen.

Früher fragte ich mich oft, wem das schlechte Gefühl der Lüge denn gehört? Heute bin ich überzeugt davon, dass die Lüge, Schwindelei oder auch das vorenthalten von Informationen immer mit dem Sender etwas zu tun hat, ob bewusst eingesetzt oder auch unbewusst.

Diese nachfolgenden Informationen habe ich über die LÜGE gefunden:

Eine Lüge ist eine Aussage von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der Empfänger sie trotzdem glaubt, oder anders formuliert „die (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten.

Lügen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, zum Beispiel um einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so Kritik oder Strafe zu entgehen. Gelogen wird auch aus Höflichkeit, aus Scham, aus Angst, Furcht, Unsicherheit oder Not („Notlüge“), um die Pläne des Gegenübers zu vereiteln oder zum Schutz der eigenen Person, anderer Personen oder Interessen.

Die Lüge ist auf Sprache angewiesen: Lügen können in jeder Form geäußert werden, in der mit Sprache kommuniziert wird.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation werden unterschieden:

  • soziale Lüge

  • Notlüge

  • Zwecklüge

  • vorsätzliche (dissoziale) Lüge,

  • zwanghafte, pathologische Lüge

  • Ausrede

Die soziale Lüge soll dem Wohl des Belogenen oder der Harmonie einer Gruppe dienen. Diese Art der Lüge soll meist dem friedlichen Miteinander und der Leistungsmotivation nützen.

Die vorsätzliche Lüge hat den eigenen Vorteil zum Zweck und nimmt den Nachteil von Mitmenschen billigend in Kauf.

Zwanghaftes Lügen wurde in der Psychiatrie gelegentlich als Pseudologie bezeichnet. Heutzutage sieht man darin jedoch kein eigenständiges Krankheitsbild mehr, sondern ein mögliches Symptom der narzistischen Persönlichkeitsstörung. Aber auch Informationszurückhaltung wird als Lüge gewertet.

Philosophische Zugänge zu Lügen:

Nach Kant ist Wahrhaftigkeit eine Rechtspflicht, die ihrem Wesen nach keine Ausnahme verträgt.

Augustinus geht in seiner Argumentation von der These vom natürlichen Sprachzweck aus, nach der die Sprache dazu bestimmt ist, die Gedanken mitzuteilen. In der Lüge wird dieser natürliche Sprachzweck gestört.

Thomas von Aquin: Lüge zersetzt die Einheit von Erkennendem und Sein und verhindert somit das Glück, das an sich Erkenntnis und Austausch von Wahrheit ist. Thomas führt den Begriff der Wahrhaftigkeit ein, die er als eine Tugend betrachtet, die durch andere Tugenden wie z. B. Klugheit oder Liebe im Lot gehalten werden soll.

Psychotherapeutisch wird zwischen unbewussten und bewussten Lügen unterschieden.

Nach Heinz Kohut unterscheiden wir bei den unbewussten Lügen solche, die Ergebnis einer frühkindlichen Verwahrlosung sind und Lügen, die Ergebnis einer unzureichenden Verinnerlichung elterlicher Normen. Ein Gewissen aus Einsicht entwickelt sich nach dem allgemeinen psychoanalytischen Verständnis lebensgeschichtlich erst in der Phase etwa im 4. bis 6. Lebensjahr. Der Vorläufer eines Gewissens aus Einsicht ist das, das sich aus einer Strafangst und einem Kontrollbedürfnis entwickelt.

Wenn jemand lügt gibt es verschiedene äußere Anzeichen, jedoch können die auch aus anderen Stresssituationen heraus entstehen. Daher nicht so eindeutig zuordnenbar.

Praktische Übung:

Wie kann man jedoch herausfinden, ob jemand die Unwahrheit spricht?

Wenn Sie ein unangenehmes Gefühl haben und die Situation hängt von einer bewussten Entscheidung ab, in der wichtig ist, dass sie die realen Tatsachen kennen….. wenn bei Ihnen etwas anderes ankommt als Ihr Gegenüber verbalisiert oder auch sich anders verhält als er sich mitteilt.

Dann fragen sie öfters immer in einer anderen Art und Weise nach. Bei mehrmaligen verschiedentlichen Nachfragen können sie sich dann ihr eigenes Bild davon machen, da sie wahrscheinlich immer andere Antworten oder auch Nicht-Antworten bekommen.

Beim Lügen oder auch gefragt werden, kann oft erkannt werden, dass die Stimme zu stocken beginnt oder weit ausgeholt wird, auf ein anderes Thema umgelenkt wird oder auch einfach nicht geantwortet wird. …und die Körpergestik und die gleichzeitige Verbalisierung disharmonisch ist.

Dies sollte ohne Druck und Vorwürfen an das Gegenüber geschehen und auch ohne den Anspruch zu haben die Wahrheit einzufordern. Es geht lediglich darum, selbst ein klares Bild zu erhalten, um richtige Entscheidungen für sich selbst zu treffen.

“LÜGEN MÖGEN DEN SPRINT GEWINNEN, ABER DIE WAHRHEIT GEWINNT DEN MARATHON”

(Michael Jackson)

Mag. Ursula Fuhrmann/Dipl. Psychologin & Körpercoach/Beratung Coaching & Training/1130 Wien

Foto:Aaron Burden

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